Pre-Notification – Security Update for Adobe Reader and Acrobat

Adobe hat in einem Security Advisory Updates für den 12.01.2010 angekündigt. Das Update patcht kritische Sicherheitslücken, u.a. die im PSIRT-Blog beschriebene Schwachstelle (CVE-2009-4324). Das Update wird für Windows, Macintosh und UNIX zur Verfügung gestellt. Damit ist das vorläufig letzte Kapitel der Schwachstelle geschrieben, über die ich schon einige Beiträge gepostet hatte:

Neuer Angriff auf PDF-Schwachstelle (CVE-2009-4324)
Wie Adobe auf die aktuelle Schwachstelle (CVE-2009-4324) reagierte

Erster größerer Angriff auf Adobe Reader und Acrobat Schwachstelle
Weitere Hinweise zur Adobe 0-Day-Schwachstelle
Gezielte Angriffe: Adobe Reader and Acrobat 9.2

D-Link Super-GAU

Das Security-Blog SourceSec Security Research hat gestern eine Schwachstelle in D-Link Routern veröffentlicht, die man getrost als Super-GAU bezeichnen kann. Die Analysten haben nach eigenen Angaben einen Weg gefunden, die Einstellungen der betroffenen Router ohne Admin-Rechte zu verändern.

Das Problem liegt in der Implementierung des Protokols HNAP. Neben dem “normalen” administrativen Zugang ist auf den betroffenen Routern ein weiterer nicht abschaltbarer HNAP-Zugang erreichbar. Warum ist das ein Super-GAU? Weil es scheinbar alle Router betrifft, die seit 2006 produziert wurden. Die Website bestätigt die Schwachstelle für DI-524-, DIR-628- und DIR-655-Router.

Die Schwachstelle kann hauptsächlich von Angreifern innerhalb des Netzwerks ausgenutzt werden. Es besteht jedoch via manipulierter Websites die Möglichkeit indirekten Zugang zu erhalten, wenn sie von innerhalb des Netzwerks aufgerufen werden.

Genauere Informationen finden Sie in einem White-Paper auf der Website. Ein passendes Expoit wird dort auch angeboten.

Update 10.01.2010 19:46 Uhr:

Auf der deutschen D-Link-Seite und im Forum ist noch alles ruhig. Auch auf der US-Seite hat noch niemand was von der Schwachstelle gemerkt und die Blogs ruhen seit Oktober letzten Jahres, wenn ich das richtig sehe. Aber die Seiten sind schön bunt ;-)

Auch sonst hat bisher scheinbar niemand von der Schwachstelle Kenntnis genommen – außer Heise. Eine Recherche auf Twitter hat mehr gebracht: Seclists.org hat die Schwachstelle auch referenziert und bit.ly verzeichnet erst 6 Klicks.

Sexy Security

Wie sexy kann IT-Sicherheit sein, ohne ihre seriöse Intention zu kannibalisieren? Wie sexy muss IT-Sicherheit sein, um ihre Wirkung zu verbessern? Das sind die Fragen, die der Arbeitskreis Sicherheit des Verband der Deutschen Internetwirtschaft e.V. in einer Veranstaltung im Februar erörtert.

Die Referenten der Sitzung bejahen, dass eine gut gemachte, ansprechende Security leichter umzusetzen ist. Nicht mehr graue Maus, sondern lebendige Security-Story. Dieser Paradigmenwechsel berücksichtigt den Menschen als systemische Sicherheitslücke und entwickelt die Konsequenzen für die Kommunikation nach innen und außen. So entstehen Maßnahmen der Security Awareness, die wirklich involvieren, und Kampagnen, die beim Kunden ankommen.

Die Themen- und Referentenliste sieht wie folgt aus:

Die geheime Logik der Informationssicherheit – Security aus der Perspektive der Tiefenpsychologie
Dietmar Pokoyski, Geschäftsführer known_sense, Köln

Security Awareness durch Blended Learning Next Generation
Kathrin Prantner, Geschäftsführerin E-SEC Information Security Solutions GmbH, Innsbruck

Kontrolle ist gut. Vertrauen ist besser!
Elmar Frey, Geschäftsführer Freylance Werbeagentur GmbH, München

Über die Wirkung von Security Produktwerbung
Josef Vistola, Marketing Manager Trend Micro Deutschland GmbH, Hallbergmoos

Ergebnisse der eco Umfrage “Internet-Sicherheit 2010″
Dr. Kurt Brand, Arbeitskreisleiter Sicherheit und Geschäftsführer Pallas GmbH, Brühl

Neuer Angriff auf PDF-Schwachstelle (CVE-2009-4324)

Das Trend Micro Malware Blog berichtet von einer weiteren Angriffsvariante auf die aktuelle Schwachstelle in Adobe-Produkten. Nach Angaben von Trend Micro wird der Trojaner via Massen-E-Mail verteilt, kann jedoch auch über infizierte Dateien auf Websites verteilt werden. Trend Micro stellt die Funktionsweise des Trojaners (wie so oft in der Thread Encyclopedia) in einer übersichtlichen Graphik dar:

Ich hatte den Verlauf dieses Falls vom Bekanntwerden der Schwachstelle an näher beleuchtet:
Wie Adobe auf die aktuelle Schwachstelle (CVE-2009-4324) reagierte
Erster größerer Angriff auf Adobe Reader und Acrobat Schwachstelle
Weitere Hinweise zur Adobe 0-Day-Schwachstelle
Update: Gezielte Angriffe: Adobe Reader and Acrobat 9.2

Neuer BITKOM Kompass der IT-Sicherheitsstandards erschienen

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) den neuen Leitfaden “Kompass der IT-Sicherheitsstandards” veröffentlicht.

Das Herzstück des Leitfadens (…) klassifziert bekannte Standards sowie Standards für spezielle Sicherheitsfunktionen, so dass der Leser diese für sein Unternehmen bewerten und gegebenenfalls als relevant einschätzen kann. Im Kompass sind auch ausgewählte Vorschriften und Gesetze aufgeführt, die im Zusammenhang mit IT-Sicherheit in Medien und Publikationen immer wieder erwähnt werden. Auch diese sind klassifziert und können so auf ihre Relevanz überprüft werden. Nicht jeder Standard ist für jedes Unternehmen sinnvoll. (…) Im Anhang sind die Bezüge der behandelten Standards untereinander aufgeführt, dort befnden sich auch Links zu weiteren Informationen.

Die Standards werden nach den Kriterien “Art des Unternehmens”, “Rolle innerhalb des Unternehmens”, “Merkmale des Standards/ der Vorschrift” und der nationalen und internationalen Bedeutung bewertet. Dabei werden auch die Relevanz, Kosten und Zertifizierungsmöglichkeiten berücksichtigt. Die Liste der betrachteten Standards ist lang:

Grundlegende Standards zum IT-Sicherheits- und Risikomangement:

ISO/IEC 27001, ISO/IEC 27002, ISO/IEC 27006, IT-GS, Richtlinie VDI/VDE2182, ISO/IEC 27011, PCI DSS, ISO/IEC 18028, ISO/IEC TR 18044, ISO/IEC 18043, ISO/IEC 15816, ISO/IEC 24762, BS 25777:2008ISO/IEC 27005, MaRisk / MaRisk VA

Standards mit IT-Sicherheitsaspekten:

Cobit, ITIL, IDW PS 330

Vorschriften:

KonTraG, Basel II, SOX, EURO-SOX, BDSG

Evaluierung von IT-Sicherheit:

ISO/IEC 15408 (CC), ISO/IEC TR 15443, ISO/IEC 18045, ISO/IEC TR 19791, ISO/IEC 19790 (FIPS 140-2), ISO/IEC 24759, ISO/IEC 19792, ISO/IEC 21827 (SSE-CMM), ISO/IEC TR 15446

Normen zu Kryptographie und IT-Sicherheitstechniken:

ISO/IEC 7064, ISO/IEC 18033, ISO/IEC 10116, ISO/IEC 19772, ISO/IEC 9796, ISO/IEC 14888, ISO/IEC 15946, ISO/IEC 10118, ISO/IEC 18031, ISO/IEC 18032, ISO/IEC 9798, ISO/IEC 9797, ISO/IEC 15945, ISO/IEC TR 14516, ISO/IEC 11770, ISO/IEC 13888, ISO/IEC 18014

Physische Sicherheit:

BSI Technische Leitlinie TL-03400, DIN 4102, DIN 18095, DIN EN 1047, DIN EN 1143-1, DIN V ENV 1627, DIN EN 60529

Update: Defacement der spanischen EU-Ratspräsidentschaft

Wer in den letzten Tagen die Seite der spanischen EU-Ratspräsidentschaft besucht hat, wurde nicht vom spanischen Primier José Luis Rodríguez Zapatero sondern von Mr. Bean begrüßt. Das spanische Portal von El Mundo berichtete. Besonders ärgerlich, dass für die technische Realisierung und Sicherheit der Website 11,9 Millionen Euro investiert wurden!

Update 08.01.2010 07:30 Uhr:
Nach Angaben von BBC News wurde der Angriff mittels Cross-site-scripting (XSS) durchgeführt. Auch angesprochen wurde, dass Witze über die Ähnlichkeit zwischen Zapatero und Mr. Bean in Spanien ein alter Hut sind – das gutmütige Grinsen fehlt eben noch:

Wie Adobe auf die aktuelle Schwachstelle (CVE-2009-4324) reagierte

In einem Interview mit threadpost hat der Adobe Sicherheitschef Brad Arkin erläutert, wie sein Team von der aktuellen Schwachstelle in verschiedenen Adobe Produkten erfahren hat und wie sie danach vorgegangen sind.

Demnach haben mehrere Partner von Adobe am Montag den 14.12.2009 innerhalb weniger Minuten von der Schwachstelle berichtet. Daraufhin hätten Sie nur wenige Minuten benötigt, um die Schwachstelle als Angriffsmöglichkeit bestätigen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Schwachstelle ausgenutzt werden würde, und dass sie einiges an Medieninteresse hervorrufen würde. Am 15.12. wurde daraufhin das Security-Bulletin veröffentlicht; zu diesem Zeitpunkt nur mit einer Bestätigung der Schwachstelle und dem Hinweis, man solle das Bulletin weiter verfolgen. Ebenfalls am 15.12. war auch in den Medien von den ersten Angriffen berichtet worden.

An dem Problem wurde dann tagsüber in Amerika und nachts (aus amerikanischer Sicht) in anderen Büros weltweit gearbeitet, so das am Donnerstag den 17.12. ein handfestes Advisory vorgelegen hätte – soweit jedenfalls das Interview. Die letzte TechNote Aktualisierung ist laut Website jedoch vom 16.12. Ein Update wurde darin für den 12.01.2010 angekündigt. Für Brad Arkin verlief die Sache damit ” just real quick”.

Der zeitliche Verlauf macht deutlich, wie schwer sich Hersteller damit tun, Updates oder Work-Arounds an den Markt zu bringen. Sehr viel schwerer, wie unabhängige Sicherheitsanbieter, die sich einen Fehler im Advisory eher leisten können, als der Hersteller, der ja bereits mit der Schwachstelle selbst gepatzt hat. Wenn ich mich richtig erinnere, lagen die Workarounds von Secunia und der Shadowserver Foundation deutlich schneller vor.

Das ganze Interview finden Sie hier.

WordPress 2.9.1 ohne Sicherheitsupdates

Nachdem die WordPress-Entwickler für die aktuelle Version 2.9 einiges an Feedback erhalten haben, liegt jetzt WordPress  2.9.1. vor. Darin enthalten sind eige kleinere Updates und die Lösung zu dem Problem, dass auf einigen Servern geplante Beiträge und Pingbacks nicht richtig verarbeitet wurden. Sicherheitsupdates sind in Version 2.9.1 nicht enthalten, daher wird ein Update nur empfohlen, wenn man konkrete Probleme lösen will.

Zertifizierte USB-Krypto-Sticks gehackt

Der SySS GmbH ist es gelungen, mehrere Hardware-verschlüsselte USB-Sticks mit FIPS-Zertifizierung hacken. Es handelt sich dabei um einen Stick von SanDisk (Level-2 zertifiziert) und einen von Kingston. Bereits im Juli 2008 berichtete Heise über einen geknackten USB-Stick der Firma MXI Security, der über eine FIPS 140-2 Zertifizierung verfügte (ebenfalls Level 2).

“Wie sich im Rahmen der durchgeführten Sicherheitsanalyse herausstellte, schützen selbst lange und komplexe Passwörter (…) die Daten nicht. Die Ursache hierfür liegt in der Art und Weise, wie (…) die vom  Benutzer eingegebenen Passwörter auf Korrektheit überprüft werden. Das erste Sicherheitsproblem dabei ist, dass die Überprüfung nicht in Hardware, also durch den USB-Stick selbst, sondern in Software auf dem PC des Benutzers durchgeführt wird. Dieser Umstand ermöglicht eine detaillierte Analyse des Authentifizierungsverfahrens mit Hilfe eines Debuggers (…). Das zweite und größte Sicherheitsproblem ist jedoch, dass sichere kryptografische Verfahren, wie in diesem Fall AES, unsicher verwendet werden. (…)

Die Untersuchungen (…) zeigten, dass der verwendete Algorithmus zur Überprüfung des Passworts wie folgt arbeitet:

  1. Passwort wird von ASCII nach WideChar konvertiert
  2. MD5-Hashwert des WideChar-Passworts wird berechnet
  3. ASCII-HEX-Repräsentation des MD5-Hashwerts wird erzeugt und ebenfalls nach WideChar konvertiert; die erste Hälfte des Ergebnisses dient im nächsten Schritt als Schlüssel
  4. Mit dem erzeugten Schlüssel wird ein 32 Byte großer Datenblock via AES-256-ECB entschlüsselt, der zuvor vom USB-Stick gelesen wurde
  5. Entspricht das Ergebnis der Entschlüsselung einem bestimmten Wert, so war das eingegebene Passwort korrekt und es kann auf die geschützten Daten des USB-Massenspeichers zugegriffen werden

Im Verlauf der Sicherheitsanalyse stellte sich heraus, dass das Resultat der Entschlüsselung in Schritt 5 bei der Eingabe des korrekten Passworts immer dasselbe war. Dies änderte  sich auch dann nicht, wenn ein neues Passwort gesetzt oder das USB-Flash-Laufwerk formatiert wurde”, heißt es im Analysebericht, der als White-Paper bei der Syss-GmbH heruntergeladen werden kann.

Die White-Paper mit der detaillierten Beschreibung des Vorgehens findet man unter: SanDisk_USB-Stick und Kingston_USB-Stick.

Beide Firmen haben bereits mit einem Security-Bulletin reagiert: SanDisk USB-Stick und Kingston USB-Stick. Das Softwareupdate der Hersteller hilft natürlich nur für Sticks, die sich noch in rechtmäßigem Besitz befinden. Verlorene USB-Sticks lassen sich eben schwer updaten.

26. Chaos Communication Congress

Vom 27. bis 30.12.09 fand der 26. Chaos Communication Congress (26C3) des Chaos Computer Clubs in Berlin statt. Der Kongress bietet jedes Jahr Vorträge und Workshops und zieht ein bunt gemischtes Publikum von Tausenden von Hackern, Wissenschaftlern, Künstlern und Utopisten aus aller Welt an. Der diesjährige Kongress fand unter dem Motto “Here Be Dragons” statt.

Wer nicht mit dabei sein konnte, kann sich die Vorträge (teilweise) auch online anschauen. Über die Seite http://events.ccc.de/congress/2009/Fahrplan/index.de.html sind alle Veranstaltungen zu erreichen.