
In meinem aktuellen Projekt musste ich am Rande mit CVSS-Scores arbeiten. Dazu kommt es üblicherweise, wenn man Soft- und Hardware-Schwachstellen bewerten soll. Wenn die Anzahl der zu bewertenden Schwachstellen entsprechend groß ist, verliert man leicht den Überblick. Dafür gibt es die CVSS-Scores. So sehen sie aus: AV:L/AC:H/Au:M/C:C/I:P/A:P/E:U /RL:TF/RC:UC/CDP:LM/TD:H/CR:M/IR:L/AR:H Und schon weiß man Bescheid.
Naja, vielleicht nicht ganz. Um mehr Klarheit zu schaffen gibt es neben dem eher kryptisch anmutenden CVSS-Vektor einen Zahlwert zwischen 0 und 10, den man auch grafisch darstellen kann – grün ist gut, rot ist schlecht:

Ja: jetzt erkennt man mehr – nur was man da erkennt ist natürlich die Frage. Das Common Vulnerability Scoring System (CVSS) ist ein offenes Framework, mit dem man Schwachstellen aus verschiedenen Perspektiven bewertet, um am Ende einen standardisierten Wert zu erhalten. In diesem Fall 5,4 – also ein mittlerer Wert.
Dieser setzt sich aus mehreren anderen Werten zusammen, die drei Gruppen angehören: Base, Temporal und Environmental – also Basis, Temporär und Umgebung.
Base Score Metrics
Hier geht es darum, zu bewerten wie leicht oder schwer ein Angriff auf eine Schwachstelle durchzuführen ist und darum, welchen Schaden man anrichten kann. In IT-Kauderwelsch heißt das: “Die Base-Score-Metrics setzen sich aus dem Exploitabiliy-Subscore – also Access-Vector, Access-Complexity, Authentication – und dem Impact-Subscore zusammen – also dem Confidentiality-, Integrity- oder Availability-Impact”.
Environmental Score Metrics
Hier spielt das Unternehmen oder die Behörde, in der man sich befindet eine Rolle. In wie weit ist man dem Angriff ausgeliefert und welchen Schutzbedarf hat man? IT-Kauderwelsch: “Die Environmental-Score-Metrics setzen sich aus den General-Modifiers – also Collateral-Damage-Potential und Target-Distribution – und den Impact-Subscore-Modifiers zusammen – also den Confidentiality-, Integrity- oder Availability-Requirements”.
Temporal Score Metrics
Hier kommt der Faktor Zeit zum Tragen: Eine Schwachstelle die noch nicht gepatcht ist, ist schlimmer, wie eine, bei der es schon ein Hersteller-Patch gibt. Handelt es sich nur um eine Idee für einen Angriff oder wurde schon bewiesen dass der Angriff funktioniert? Auch hier wieder in IT-Kauderwelsch: “Die Temporal-Score-Metrics setzen sich aus der Exploitability, dem Remediation-Level und der Report-Confidence zusammen”
Was bringt das Ganze?
Der Vorteil der CVSS-Scores besteht nun darin, den Kauderwelsch in Management-Deutsch übersetzen zu können: grün, orange, rot.
- Grün: gut!
- Orange: aufpassen!
- Rot: heiß, aua!
Im Vergleich zwischen vielen Schwachstellen kann man mit CVSS-Scores die Entscheidung transparent machen, welches Problem man zuerst angeht. Wenn Sie wissen wollen wie sich der Wert genau zusammensetzt, finden Sie diese Informationen auf den Seiten der National Vulnerability Database.
CVSS-Rechner
Damit sich auch der Fachmann nicht allzu lange mit den Werten ärgern muss, gibt es eine ganze Reihe von Tools, mit denen man schnell produktiv werden kann:
Mein Favorit ist der Plattform unabhängige CVSS-Calculator von Goebel Consult. Für private Nutzung und für die Nutzung in Unternehmen bis 49 Mitarbeitern ist das Tool kostenlos und es kann CVSS-Vektoren mit cut-and-paste verarbeiten. Eine deutsche Übersetzung findet man bei der Münchener Firma Goebel Consult leider nicht, dafür aber in Japan bei der Information-Technology Promotion Agency. Und schön gestaltet ist deren Online-Demo ebenfalls.