100.000$ vom Konto einer Kleinstadt

Am 29.03. hatte ich über einen Old School Angriff geschrieben: Mit viel Tam-Tam erbeuteten die Täter aus einem Casino mehrere 100.000 Franken und Euro. Einen Tag später dann die Nachricht, dass Online-Räuber 205.000$ vom Konto einer Zahnarztpraxis gestohlen hatten. Ein weiteres Beispiel ist ein aktueller Fall aus den USA. Die Kleinstadt Village of Summit wurde um 100.000$ erleichtert:

“So klein wie unsere Stadt ist, sind 100.000$ eine ganze Menge Geld und es tut weh”, sagte die Bürgermeisterin Judy Rivera. “Wir waren finanziell schon ziemlich beengt, weil bisher wenig Steuereinnahmen da waren.”

Krebs on Security” hat eine kleine Liste aufgestellt: Egg Harbor in New Jersey wurden ebenfalls 100.000$ gestohlen, in einem Wasserwerk in Arkansas waren es 130.000$, 378.000$ in New York, 160.000$ in einer Bibliothek in Florida, 500.000$  von einer Schulbehörde in New York und 415.000$ in Kentucky. So sieht die Next Generation der Räuber aus.

* Keine offiziellen Übersetzungen aus dem Englischen. Die Original-Zitate finden Sie über die angegebenen Links oder in der englischen Version.

“Unterm Strich”: 13. Kalenderwoche

Was war diese Woche?

In der Kolumne Unterm Strich werfe ich ein Highlight auf die News und Schlagzeilen der vergangenen Woche. Natürlich kann dabei niemals ein vollständiges Bild gezeichnet werden, aber es entsteht hoffentlich ein gewisser Überblick.

Interne Links zum Blog sind mit einem ” ” gekennzeichnet. Externe Links werden durch ein ” ” hervorgehoben.

Updates:

Dienstag: Microsoft patcht Internet Explorer außer der Reihe
Dienstag: Apple patcht 88 Mac OS X Schwachstellen
Mittwoch: Java 6 Update 19 schließt 26 Sicherheitslücken
Mittwoch: Sicherheits-Updates für Firefox und Thunderbird
Mittwoch: QuickTime-Update für Windows stopft 16 Löcher
Mittwoch: Firefox-Entwickler stopfen 10 Jahre altes CSS-Leck
Freitag: Firefox 3.6.3 schließt kritische Sicherheitslücke
Freitag: Foxit patcht PDF Problem ohne Schwachstelle

Schwachstellen und Angriffe:

Montag: Der Hammer Teil 1: PDF Exploit ohne Schwachstelle
Montag: EXE-Dateien in DOC-Dateien
Dienstag: Schwachstelle in beliebter iPhone App Quip
Mittwoch: Der Hammer Teil 2: Nicht nur Adobe, sondern auch Foxit Reader
Mittwoch: Microsoft testet mit eigenem Botnet und findet 1800 Office-Bugs
Mittwoch: Facebook gibt alle 400 Millionen E-Mail-Adressen preis
Donnerstag: CVSS-Scores selbst berechnen und anwenden

Kriminalität, Strafverfolgung und Recht:

Montag: Erneut Casino überfallen
Dienstag: 200.000$ vom Zahnarztkonto
Donnerstag: Wahlkampf der Hacker in NRW

Konferenzen:

Montag: Videos der ShmooCon 2010
Dienstag: CanSecWest 2010: Lessons Learned

Whitepapers und Veröffentlichungen:

Dienstag: Die Macht der Worte
Mittwoch: Stht PDF für Problematisches Dokumenten Format?
Mittwoch: Studie verlangt mehr C-Level Engagement für Cybersecurity

Sonstiges:

Dienstag: Selbstauskunft bei Auskunfteien jetzt auch kostenlos möglich
Donnerstag: April-Scherz: Das E-Mail-Porto
Donnerstag: April-Scherz: Einheitlich 15-stellige Mobilfunknummern

Wahlkampf der Hacker in NRW

Am 12. März hatte das Wahlkampf-Blog Wir in NRW vermeldet: “Erst kriminalisiert die Politik unser Blog, jetzt schickt sie uns Hacker, Trojaner und vergiftete Emails”. Das Blog mehrerer aufmüpfiger Journalisten hatte berichtet:

“Seit gut einer Woche müssen wir uns gegen versuchte Zugriffe von außen wehren, wir werden geradezu terrorisiert. Zwei Hacker-Angriffe hat der Blog bisher überstanden, vor zwei Tagen wurden uns Emails mit so genannten Trojanern unter dem Betreff „Krautscheid-Brief“ geschickt, allein in der vergangenen Nacht kamen mehr als 100 Kommentar-Mails bei uns an, die nichts anderes zum Ziel hatten, als sich bei uns einzunisten – die Zeit der IMs ist doch vorbei, denke ich!”

Jetzt hat es wohl offensichtlich die Parteizentrale der nordrhein-westfälischen CDU erwischt, wie Welt Online berichtet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen angeblich gestohlener Daten. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fürchtet schon länger, dass Informationen durchsickern. Die IMs sitzen also überall?

„Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet, weil wir mit Hilfe der Staatsanwaltschaft herausfinden möchten, wer unsere persönlichen Daten ausgespäht hat oder weitergegeben gegeben könnte“, erklärte der Generalsekretär der NRW-CDU, Andreas Krautscheid.

Krautscheid, immer wieder Karautscheid, der Generalsekrtär der CDU, am Ball, er hat den Ball … Sie wissen, wie das damals ausging ;-)

CVSS-Scores selbst berechnen und anwenden

In meinem aktuellen Projekt musste ich am Rande mit CVSS-Scores arbeiten. Dazu kommt es üblicherweise, wenn man Soft- und Hardware-Schwachstellen bewerten soll. Wenn die Anzahl der zu bewertenden Schwachstellen entsprechend groß ist, verliert man leicht den Überblick. Dafür gibt es die CVSS-Scores. So sehen sie aus: AV:L/AC:H/Au:M/C:C/I:P/A:P/E:U /RL:TF/RC:UC/CDP:LM/TD:H/CR:M/IR:L/AR:H Und schon weiß man Bescheid.

Naja, vielleicht nicht ganz. Um mehr Klarheit zu schaffen gibt es neben dem eher kryptisch anmutenden CVSS-Vektor einen Zahlwert zwischen 0 und 10, den man auch grafisch darstellen kann – grün ist gut, rot ist schlecht:

Ja: jetzt erkennt man mehr – nur was man da erkennt ist natürlich die Frage. Das Common Vulnerability Scoring System (CVSS) ist ein offenes Framework, mit dem man Schwachstellen aus verschiedenen Perspektiven bewertet, um am Ende einen standardisierten Wert zu erhalten. In diesem Fall 5,4 – also ein mittlerer Wert.

Dieser setzt sich aus mehreren anderen Werten zusammen, die drei Gruppen angehören: Base, Temporal und Environmental – also Basis, Temporär und Umgebung.

Base Score Metrics

Hier geht es darum, zu bewerten wie leicht oder schwer ein Angriff auf eine Schwachstelle durchzuführen ist und darum, welchen Schaden man anrichten kann. In IT-Kauderwelsch heißt das: “Die Base-Score-Metrics setzen sich aus dem Exploitabiliy-Subscore – also Access-Vector, Access-Complexity, Authentication – und dem Impact-Subscore zusammen – also dem Confidentiality-, Integrity- oder Availability-Impact”.

Environmental Score Metrics

Hier spielt das Unternehmen oder die Behörde, in der man sich befindet eine Rolle. In wie weit ist man dem Angriff ausgeliefert und welchen Schutzbedarf hat man? IT-Kauderwelsch: “Die Environmental-Score-Metrics setzen sich aus den General-Modifiers – also Collateral-Damage-Potential und Target-Distribution – und den Impact-Subscore-Modifiers zusammen – also den Confidentiality-, Integrity- oder Availability-Requirements”.

Temporal Score Metrics

Hier kommt der Faktor Zeit zum Tragen: Eine Schwachstelle die noch nicht gepatcht ist, ist schlimmer, wie eine, bei der es schon ein Hersteller-Patch gibt. Handelt es sich nur um eine Idee für einen Angriff oder wurde schon bewiesen dass der Angriff funktioniert? Auch hier wieder in IT-Kauderwelsch: “Die Temporal-Score-Metrics setzen sich aus der Exploitability, dem Remediation-Level und der Report-Confidence zusammen”

Was bringt das Ganze?

Der Vorteil der CVSS-Scores besteht nun darin, den Kauderwelsch in Management-Deutsch übersetzen zu können: grün, orange, rot.

  • Grün: gut!
  • Orange: aufpassen!
  • Rot: heiß, aua!

Im Vergleich zwischen vielen Schwachstellen kann man mit CVSS-Scores die Entscheidung transparent machen, welches Problem man zuerst angeht. Wenn Sie wissen wollen wie sich der Wert genau zusammensetzt, finden Sie diese Informationen auf den Seiten der National Vulnerability Database.

CVSS-Rechner

Damit sich auch der Fachmann nicht allzu lange mit den Werten ärgern muss, gibt es eine ganze Reihe von Tools, mit denen man schnell produktiv werden kann:

Mein Favorit ist der Plattform unabhängige CVSS-Calculator von Goebel Consult. Für private Nutzung und für die Nutzung in Unternehmen bis 49 Mitarbeitern ist das Tool kostenlos und es kann CVSS-Vektoren mit cut-and-paste verarbeiten. Eine deutsche Übersetzung findet man bei der Münchener Firma Goebel Consult leider nicht, dafür aber in Japan bei der Information-Technology Promotion Agency. Und schön gestaltet ist deren Online-Demo ebenfalls.

April, April: Endlich einheitlich 15-stellige Mobilfunknummern

Auch diese Regelung war zu Beginn diesen Monats überfällig: Durch Beschluss des Europäischen Parlamentes verlieren aktuellen Mobilfunknummern zum 01.07.2010 Ihre Gültigkeit. Mit Inkraftsetzung dieses Beschlusses erhalten alle EU-Bürger die Möglichkeit sich unter Euronummer.de für nur 100€ eine neue einheitlich 15-stellige Mobilfunknummern reservieren zu lassen.

April, April: Beschlossene Sache: endlich kommt das E-Mail-Porto

Ab Juni wird in Deutschland für das Versenden von E-Mails eine Gebühr von einem Cent fällig. Wegen des starken Rückgangs des herkömmlichen Briefverkehrs haben Politik und Post-Unternehmen heute diese Gebühr beschlossen, beichtet heute unter anderem br-online. Wer schon heute seine ersten E-Mail-Pakete kaufen möchten, kann sich unter www.email-porto.de registrieren und fürs erste Jahr 50% Rabatt sichern.

“Der Grund: Wegen gravierenden Veränderungen in der Schriftkommunikation ist die Zahl der Briefsendungen dramatisch gesunken. Die schrumpfenden Einnahmen der Post-Unternehmen haben massive Auswirkungen auf die öffentlichen Kassen. Besonders die Staatseinnahmen durch die Mehrwertsteuer litten in den vergangenen fünf Jahren erheblich darunter. Am Ende schlägt sich diese “Schieflage” auch in den privaten Haushalten nieder, so die Argumentation von Politik und Wirtschaft.”

Ich finde, das ist zum 01. April doch mal was neues…

Selbstauskunft bei Auskunfteien bald auch kostenlos möglich

Das Erste hat in seiner heutigen Plusminus-Sendung über Auskunfteien wie die Schufa berichtet. Ab April sind Selbstauskünfte nun ein Mal im Jahr kostenlos. Damit die Arbeit dabei nicht zu schwer fällt hat Plusminus einen Musterbrief des Verbraucherzentrale Bundesverbands bereitgestellt, den man an die Auskunfteien richten kann. Ebenfalls erhältlich: Eine Adressliste der wichtigsten Auskunfteien.

200.000$ vom Zahnarztkonto

In meinem gestrigen Beitrag Erneut Casino überfallen hatte ich geschrieben, dass beim Überfall auf die Spielbank Old School Trumpf war. Erbeutet hatten die Täter mit viel Tam-Tam mehrere 100.000 Franken und Euro. Die Next Generation sieht anders aus: “Krebs on Security” berichtet, dass Online-Räuber 205.000$ vom Konto einer Zahnarztpraxis gestohlen hatten. Das Geld wurde dabei von unwissenden Leuten in “Heimarbeit” gewaschen. Das FBI interessiert sich übrigens erst ab 500.000$ für solche Fälle. Lesenswert!

Die Macht der Worte

So wird die Überschrift meines neuen Artikels lauten, der auf Seite 6 der nächsten Ausgabe der <kes> Zeitschrift für Informations-Sicherheit (2010#2) erscheint. Gerade habe ich den gesetzten Artikel aus der Redaktion erhalten und gehe nun an den Feinschliff. Auf vier Seiten befasst sich der Artikel mit einem unterschätzten Problem: menschlichem Handeln oder Unterlassen als Ursache oder zumindest Wegbereiter der meisten Sicherheitsvorfälle – der Mensch ist und bleibt Risikofaktor Nummer eins. Neben einer ganzen Menge an technischem Know-how bestimmen nicht zuletzt „Soft-Skills“ über Erfolg oder Misserfolg von IT-Sicherheitsbeauftragten, Datenschützern & Co.

Apple patcht 88 Mac OS X Schwachstellen

Apple hat gestern eines seiner größten Security-Updates herausgegeben und schließt damit nicht weniger als 88 bekannte Sicherheitslücken. Das Update auf Version 10.6.3 wird als kritisch eingestuft. Mit von der Partie sind Remote Code Execution Schwachstellen, Denial of Service Angriffe oder Angriffe mit manipulierten Bildern oder Videos. Auf der Apple-Website finden Sie eine vollständige Liste der Schwachstellen. Dort finden Sie auch das Update. (Mehr Infos im Artikel auf threatpost)