Immer mehr gezielte Angriffe
In letzter Zeit häufen sich die Berichte über gezielte Angriffe auf Unternehmen und Behörden. Aktuell hat es Australiens Regierung getroffen. Die Computer der Ministerpräsidentin Julia Gillard und mehrere ihrer Minister seien von dem Angriff betroffen. Während die Angriffe nach Angaben von Spiegel online von der Regierung noch nicht bestätigt seien, berichtet der “Daily Telegraph” bereits, dass die Regierung chinesische Geheimdienste hinter der Attacke vermutet.
Bereits vor wenigen Tagen hatte ein Angriff auf die Rechner der Europäischen Kommission für Schlagzeilen gesorgt (Computersysteme der EU-Kommision Ziel von Angriffen). Auch das französische Finanzministerium (Cyber-Angriff auf französisches Finanzministerium) sowie Rechner der kanadischen Regierung (Cyberangriff auf kanadische Regierung) waren in diesem Jahr bereits von gezielten Angriffen betroffen. Auch hinter dem Angriff auf Comodo-Zertifikate aus der vergangenen Woche soll ein Geheimdienst stecken (Comodo-Zertifikate vom Iran geklaut?). Zumindest in letzterem Fall wurde jetzt ein Bekennerschreiben bekannt, was auf einen Einzeltäter hindeutet. Allerdings rühmt der sich, die Erfahrung von 1000 Hackern zu haben. Vielleicht war’s ja der Abteilungsleiter “Cyber-Attacken Länder A-K” des iranischen Geheimdienstes. Mikko H. Hypponen, Forschungschef bei F-Secure, twittert:
“Die Veröffentlichungen sehen überzeugend aus. Ob sie aber ein 21-jähriger Einzeltäter oder die PR-Abteilung der iranischen Regierung veröffentlicht hat, weiß ich nicht.” (zum Tweet)
Das besondere Problem bei diesen Angriffen steckt darin, dass man sich vor ihnen durch Virenscanner und Firewalls nicht schützen kann. Standardsicherheitsmaßnahmen Versagen an dieser Stelle. Hier ist vielmehr ein umfassendes, risikobasiertes Schwachstellenmanagement gefragt. Der zusätzliche Aufwand hierfür wurde in der Vergangenheit von vielen Unternehmen und Behörden gescheut. Wir werden sehen, ob die Vorfälle dieses Jahres hier ein Umdenken bewirken können.


Gerade bei zwischenstaatlichen “Cyber-Attacken” stellt sich die Frage nach der völkerrechtlichen Einordnung und den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Auch wenn gerade in Deutschland das Bewußtsein für diese neue Dimension der Bedrohung noch sehr wenig ausgeprägt ist – “Computer Network Operations” stecken wohl NATO-weit bis auf wenige Ausnahmen noch in den Kinderschuhen – sollte auch unabhängig von Erfolg und ggf. Folgen eines konkreten Angriffs hier ein entsprechender Diskurs und eine “moralische Bewertung” enstehen. Mit der klassischen Einordnung, Hacker seien nur einzelne “Geeks” mit “illegalen Neigungen” greift deutlich zu kurz.