Geldautomat in Berlin-Wilmersdorf gesprengt

Fast schon drei Wochen ist es her, da haben Unbekannte einen Geldautomat aus der Wand einer Berliner Volksbank gesprengt. Die Beute ist dabei ein wenig angebrannt
“Der klassische Banküberfall ist wegen der vielen heutigen Sicherungen selten geworden,” schrieb der Tagesspiegel. Diese Aussage hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob die Angriffe zwar seltener geworden sind, dafür die kriminelle Motivation gestiegen ist.
These: Die Angriffsmotivation entspricht der Summe dessen, was es an Werten (W) zu holen gibt. Die Summe der Angriffsmotivation (A) gegen ein Objekt ist immer gleich und verteilt sich über alle möglichen Täter. Je besser ein Objekt abgesichert wird, umso singulärer werden die Angriffsereignisse, bei denen sich die Motivation konzentriert.
Beispiel: Gehen wir davon aus, die Bank ist gar nicht gesichert und es gibt 1000 Menschen, die sie überfallen würden – allein das Verbot schreckt sie nicht ab. Eine sehr geringe Motivation reicht dann aus – sagen wir sie hat den Wert 1/1000*A. Sobald ein Täter 1/1000*W an Werten braucht und glaubt so viel erbeuten zu können, schlägt er zu.
Die Bank stellt also einen unbewaffneten Wachmann ein. Das ist dreiviertel der 1000 potentiellen Täter schon zu viel. Die Anderen schreckt das nicht ab. Sie teilen sich nun die Summe der Angriffsmotivation, die jetzt 1/250*A beträgt. Brauchen sie 1/250*W an Werten schlagen sie zu, wenn sie denken sie könnten so viel erbeuten.
Der Wachman wird also bewaffnet. Das ist den meisten zu viel. Nur noch für 10 Angreifer erscheint das lukrativ. Die Angriffsmotivation wächst auf 1/10*A. Braucht einer von den zehn Tätern 1/10*W an Werten, schlägt er zu, wenn er dabei 1/10*W erbeuten kann.
Das tut er aber nur, wenn er weiß, dass er auch 1/10*W an Werten holen kann. Wenn das System so angelegt ist, dass für ein singuläres Angriffsereignis nur 1/20*W erbeuten kann, wird er es sein lassen.
Auf das oben genannte Beispiel heißt das: Die Bank muss mehrere Geldautomaten im Vorraum einbauen, auf die das Geld verteilt ist. Das verringert die mögliche Beute. Angenommen da wären 5 Geldautomaten eingebaut gewesen. In jedem nur ein Fünftel des Geldes. Ist einer leer, muss man als Kunde einen anderen Automaten benutzen. Wenn der Angreifer also 1/10*A an Motivation hatte, dem aber nur 1/50*W an Werten gegenüberstehen und dass auch nur, wenn er den richtigen – also den vollsten – Automaten trifft, dann lässt er es bleiben.
Das sind natürlich nur grobe Überlegungen bis hier her; ich bin mir aber ziemlich sicher, dass bei dieser Art Überfall Banken mit nur einem Geldautomat im Visier der Täter stehen.


In deiner These fehlt aber die Abwehrmotivation der Bank (I wie Investition). In deinem oben genannten Beispiel müsste die Bank eine 5 mal höhere Abwehrmotivation (5*I)besitzen um die Investition für 5 Geldautomaten und die 5 mal höheren Betriebskosten zu tragen.
Es gibt günstigere Methoden um Sprengungen zu verhindern…
By the way, wieviel Geldbörsen (x) trägst du immer mit dir rum, damit du nur ein x-tel bei einem möglichen Überfall verlierst?
Liebe Grüße
Ja, der Einwand ist berechtigt. Nach den Investitionen fragt z.B. das ROISI-Modell von Adrian Mizzi. Ob sich das im Rahmen der Risikoreduzierung lohnt, ist eine andere Frage.
Meine Idee ging eher in die Richtung, ob man mit mehr Sicherheitsmaßnahmen zwar seltener angegriffen wird, das aber mit größerer krimineller Energie?
Bei einem Einsatz von Sprengstoff können Menschen sterben. Da ist die Frage nach 5*I plötzlich sehr schwer zu beantworten.
Nun, diese 5*I Frage lässt sich vielleicht einfacher beantworten, wenn man weiss, dass die Vorschriften zur mechanischen Sicherung eines Geldautomaten in Deutschland vom VDS gemacht werden. (VDS=Verband deutscher Sachversicherer).
Einen VDKS (Verband deutscher Kundenschützer) gibt es zumindestens in diesen Zusammenhang nicht.