E-Mail Protokolle zur Enron-Pleite untersucht
E-Mail-Protokolle können mehr verraten als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnte. Auch auf den zweiten Blick finde ich die Untersuchung, die zwei Wissenschaftler des Florida Institute of Technology in Melbourne angestellt haben, sehr gelungen.
Nachdem im Dezember 2001 Enron in die Pleite abrutschte haben Ermittler die E-Mail-Protokolle der letzten 18 Monate des Unternehmens sichergestellt. Darunter die Mails von 150 Mitarbeitern auf Senior-Level. Insgesammt waren es 517.000 E-Mails von 15.000 Mitarbeitern des Konzerns.
Ben Collingsworth und Ronaldo Menezes fanden einiges über das E-Mail-Verhalten in stressigen Zeiten heraus. Zunächst identifizierten sie große Zwischenschritte auf dem Weg zur Pleite, wie die Kündigung des CEO Jeffrey Skilling im August 2001. Ohne die Inhalte zu untersuchen versuchten Sie die Daten im direkten Umfeld dieser Ereignisse zu korrelieren. Was sie fanden hatten sie nicht erwartet.
Die Forscher rechneten mit einer Veränderung des Mail-Verkehrs während einer Krise. Die größten Veränderungen stellten sie jedoch etwa einen Monat davor fest!
Sie ordneten die Mitarbeiter u.a. in Gruppen, in denen jedes Gruppenmitglied Kontakt zu jedem Firmenmitglied hatte. Die Anzahl dieser Gruppen erhöhte sich einen Monat vor dem Crash im Dezember von 100 auf fast 800. Menezes führt das darauf zurück, dass Mitarbeiter ihr Kommunikationsverhalten intern anpassen und nicht mehr so viel extern kommunizieren.
Ihre Ergebnisse präsentierten die Forscher auf dem International Workshop on Complex Networks, der letzten Monat in Italien stattfand.
Gilbert Peterson vom Air Force Institute of Technology in Dayton hat auch zu den Enron E-Mails geforscht. Er sieht in den Ergebnissen ein Frühwarnsystem für Unzufriedenheit im Unternehmen.
“Human resources folk would probably find this extremely useful.”
Diese Idee mit anderen Daten abzugleichen wird jedoch schwierig werden. Wer würde den Forschern schon seine E-Mail-Protokolle zur Verfügung stellen. Nichteinmal deren Universität war dazu bereit.
Weitere Studien zum Thema:
- Duncan Watts von Yahoo Research in New York: Studie.
- Gilbert Peterson vom Air Force Institute of Technology in Dayton: Studie
Berichte zur Studie:

